Die Geburt von Hannes


Die Schwangerschaft – hoffentlich geht alles gut

Mir war schon lange klar, dass ich eine möglichst natürliche Geburt möchte und dass ein Krankenhaus für mich kein schöner Ort ist um mein Baby willkommen zu heißen. So nahmen wir zeitnah den Tag der offenen Tür im Geburtshaus wahr. Mein Mann war offen für diese Möglichkeit der Geburt und sagte ich müsse mich wohl bei dieser Entscheidung fühlen. Wir erlebten im Geburtshaus eine nette und einladende Atmosphäre in einer gemütlichen Umgebung. Nach dem Informationsgespräch waren wir darin bestärkt, dass genau dort unser Kind geboren werden sollte. Jetzt musste nur noch die Schwangerschaft komplikationslos verlaufen, damit unser Wunsch in Erfüllung gehen konnte. Meine Gynäkologin reagierte zunächst skeptisch als ich bereits sehr früh mit ihr über die geplante Art der Entbindung sprach. Da die Schwangerschaft jedoch tatsächlich mustergültig verlief und unser Sohn auch immer perfekt mit dem Kopf nach unten lag, war auch sie bald entspannter. Die Vorsorgeuntersuchungen im Geburtshaus sind mir in sehr positiver Erinnerung geblieben. Ich habe alle Hebammen kennengelernt und habe mich immer gut aufgehoben und beraten gefühlt. Auch mein Mann wurde miteinbezogen und es wurden Wünsche, Ängste und Fragen zur Geburt besprochen. Der errechnete Termin rückte immer näher und … verstrich! Während der gesamten Schwangerschaft war ich gesund, aber ab dem errechneten Geburtstermin lag ich mit einer Nasennebenhöhlenentzündung komplett flach. Meine Sorge wuchs mit jedem Tag und ich befürchtete doch im Krankenhaus gebären zu müssen. Doch die Hebammen sprachen mir gut zu und wir hofften weiter. Sieben Tage nach dem errechneten Geburtstermin wurde ich vom Geburtshaus zu meiner Gynäkologin geschickt um zu überprüfen, ob mein Baby noch in genug Fruchtwasser lag. Alles war in Ordnung! Die Fruchtwasseruntersuchung, ein CTG bei meiner Gynäkologin und ein CTG im Geburtshaus – meinem Sohn war das an diesem Tag zu viel Trubel und er beschloss am Abend, dass er nun aus dem Bauch heraus möchte 🙂

Die Geburt – es geht los!

Ich ging gegen kurz vor 21h auf die Toilette. Plötzlich vernahm ich einen leisen „Knall“, mir sackte ganz kurz der Kreislauf etwas ab und ich hörte wie Flüssigkeit in die Toilette plätscherte. Ist die Fruchtblase geplatzt? Ich rief sofort die diensthabende Hebamme Marie an und erzählte ihr was geschehen war. Wir vereinbarten, dass ich mich wieder melde wenn die Wehen in regelmäßigen  Abständen kommen oder wenn es mir nicht gut geht bzw. ich unsicher bin. Bis dahin solle ich mich bettfertig machen und versuchen zu schlafen. Im Geburtsvorbereitungskurs des Geburtshauses hatte ich ja gelernt wie eine Geburt typischerweise verläuft. Bei mir kam es jedoch etwas anders und ich bin sehr froh darum! Ca. 50 Minuten nach dem Platzen der Fruchtblase setzte die erste Wehe ein und sie verschlug mir den Atem. Das tut SO weh, wie soll ich denn dabei schlafen?! Die zweite Wehe kam 6 Minuten später, dann ging es schon im 2 – 3 Minutenrhythmus weiter. Ich rief Marie an und wir verabredeten uns im Geburtshaus. Im Geburtshaus angekommen wurden wir von den Hebammen Marie und Bea, sowie einer Hebammenschülerin empfangen und ins gemütlich hergerichtete „blaue Zimmer“ geführt. Teelichter, warme Lichterketten, sowie eine Salzkristalllampe schafften eine schöne Atmosphäre. Ich hatte eine 3 zu 1 Betreuung in einer ruhigen, gemütlichen Umgebung. Während Marie die Geburt begleitete, schaute die Hebammenschülerin ruhig zu und Bea war im Nebenraum um kurz vor der eigentlichen Geburt dazu zu kommen. Keine unnötige Untersuchung oder etwas anderes störte die Geburt meines Babys. Genau so hatte ich es mir gewünscht! Ich konnte mich voll und ganz auf die Geburt konzentrieren und war schon kurz nach der Ankunft im Geburtshaus in meiner ganz eigenen Welt und bekam von allem anderen nicht mehr viel mit. Es dauerte nicht lange, da setzten die Presswehen ein. Ich kniete zunächst vor dem Bett und entschied mich dann kniend in der Wanne weiter zu gebären. Zwischendurch kam Bea herein und fragte ob alles ok sei, da sie gar nichts hörte. Ich war nicht laut, ich schrie nicht, ich machte nur leise Pressgeräusche. Ja, es tat weh! Aber es war kein Trubel, kein Geschrei, kein grelles Licht, kein Hin- und Hergelaufe von Hebammen oder Ärzten wie es wohl in einem Krankenhaus gewesen wäre. Es war ein ruhiges und freudig gespanntes Warten auf den kleinen Menschen, der so gut bei der Geburt mitgearbeitet hat. Zwischendurch fühlte ich nach dem Köpfchen und auf einmal war es fast draußen. Ich sollte mich nun in der Wanne hinlegen, damit mein Kind mehr Platz zum herausgleiten hat. Die Bewegung des Hinlegens sorgte dafür, dass das Köpfchen – plopp – auf einmal ganz draußen war. Es tat nicht mal weh! Die Nabelschnur lag locker um den Hals meines Sohnes, die Hebammen Marie und Bea nahmen sie ganz ruhig vom Hals weg und gaben mir zu jeder Zeit das Gefühl alles ist in Ordnung. Und schon lag er auf meiner Brust: Unser gesunder Junge! Es war 02:29 Uhr. Er hob den Kopf und schaute mich kurz intensiv an. Auch er war ganz ruhig. Vom Platzen der Fruchtblase bis zur Geburt dauerte es gerade mal etwas über 4 ½ Stunden und die Zeit verging für mich viel schneller.

Geschafft! – jetzt sind wir zu dritt!

Mit einem warmen, nassen Handtuch auf seinem Rücken lag er auf mir und wir genossen die ersten gemeinsamen Minuten. Wir ließen die Nabelschnur auspulsieren und mein Mann durchtrennte sie. Dann wechselte unser Baby auf Papas Brust und ich gebar die Nachgeburt. Jetzt war kuscheln zu dritt im gemütlichen großen Bett angesagt und es gab die ersten Tröpfchen Milch für unseren Sohn Hannes und eine Kleinigkeit zu essen für Mama und Papa. Die erste Untersuchung für Hannes stand an: 4330 g, 55 cm und 36,5 cm Kopfumfang und alles gesund! Auch ich wurde untersucht. Ich hatte große Angst vor Geburtsverletzungen und dem anschließendem Nähen. Umso überraschter war ich als Marie feststellte: Keine Geburtsverletzungen. Nichts, nicht ein bisschen! Ich konnte mein Glück kaum fassen. Ich bin absolut davon überzeugt, dass dies das Ergebnis der selbstbestimmten Geburt ohne Eingriffe und Störungen und den im Geburtshaus möglichen Geburtspositionen war. Da mein Kreislauf noch nicht wieder optimal war, legte ich mich mit Hannes ins „rosa“ Nebenzimmer und schlief etwas. Mein Mann und die Hebammen saßen in der Küche, tranken Kaffee und plauderten solange. Dann ging es für uns am frühen Morgen zu dritt nach Hause. Es war die perfekte Geburt und wir sind unendlich dankbar für diesen tollen Start ins Leben für unseren Sohn. Wir bedanken uns ganz herzlich beim Geburtshaus und insbesondere bei den Hebammen Marie und Bea!

Jana & Holger